S-Bahn Berlin: Privatisierung beenden, künftige Kommunalisierung planen

Parteien müssen neues S-Bahn-Chaos verhindern

Pressemitteilung von Bahn für Alle

Berlin, den 16. Juli 2026: Mit der Unterschrift unter die Verträge mit Siemens und Stadler ist die Berliner S-Bahn ab heute teilprivatisiert – die beiden Firmen werden tief in die S-Bahn-Struktur integriert und können künftig den Kurs mitbestimmen. Die Bündnisse Bahn für Alle und EINE S-Bahn für ALLE warnen vor den Folgen und fordern die Parteien vor der Wahl auf, sich öffentlich für eine Kommunalisierung vor der nächsten S-Bahn-Ausschreibung auszusprechen. Dazu Carl Waßmuth, Sprecher von Bahn für Alle:

„Bei den Aktiengesellschaften Siemens und Stadler knallen heute die Korken. Die nächsten 30 Jahre dürfen sie mit öffentlichen Geldern Gewinne einfahren, ganz ohne Risiko. Und die Vorstände der Deutschen Bahn AG, als Mutterkonzern der Berliner S-Bahn GmbH, werden noch mehr Boni verlangen. Für die Steuerzahlenden ist das kein Grund zum Feiern: Durch die Märchenerzählung vom Wettbewerb haben sich die Kosten von ursprünglich acht Milliarden inzwischen mindestens verdoppelt, am Ende muss sogar vielleicht das Dreifache gezahlt werden. Für die Fahrgäste ist die Lage schon jetzt nervenaufreibend und wird sich zunächst weiter verschlechtern: sechs Jahre Verzögerung und noch viele Jahre Zugausfälle sowie Ausdünnung des Angebots, bis die neuen Züge konstruiert und gebaut sind.“

Die Bündnisse Bahn für Alle und EINE S-Bahn für ALLE warnen: Wenn nicht gegengesteuert wird, wird es die Berliner S-Bahn, wie man sie heute kennt, ab 2031 nicht mehr geben. Unter dem Deckmantel einer landeseigenen Gesellschaft für den Fahrzeugpark entsteht eine verschachtelte Struktur aus mehreren öffentlich-privaten Partnerschaften. Es drohen unter anderem: Verkomplizierung der Strukturen, höhere Kosten durch mehr Überbau, verschwommene Verantwortlichkeiten und längere Dienstwege, Wegfall guter tarifgebundener Arbeitsplätze im Facharbeiterbereich bei der S-Bahn und Verlust der Identifikation mit dem gemeinsamen Arbeitsprodukt „guter S-Bahn-Verkehr“, schlechtere Instandhaltung durch Renditevorgaben. Die Bündnisse fordern Berlin und Brandenburg auf, die Mehrheit der S-Bahn Berlin GmbH zu erwerben und das Netz gleich dazu. Schon heute gehen viele Störungen im S-Bahn-Betrieb auf die Arbeit der DB InfraGo zurück, das S-Bahn-Netz droht durch immer weniger Verzahnung mit dem Betrieb noch stärker zu verfallen. Carl Waßmuth weiter:

„Aus dem folgenschweren Desaster dieser Ausschreibung muss gelernt werden. Das Verfahren hat sich sechs Jahre hingezogen, der Gegenstand ist viel teurer geworden, die Tarifbindung der S-Bahn-Beschäftigten in der Instandhaltung droht verloren zu gehen, die Standorte Friedrichsfelde und Erkner müssen um ihre Existenz bangen. Gleichzeitig wird in Fredersdorf mit Steuergeld ein neues Werk gebaut, inklusive zweigleisigem Anschluss. Vor der Wahl können die Parteien sagen, dass sie es ab jetzt anders machen werden.“

Seit 2019 kritisieren die Bündnisse Bahn für Alle und EINE S-Bahn für ALLE die Privatisierung der Berliner S-Bahn. Vieles, wovor gewarnt wurde, ist bereits eingetreten: Verzögerung bei gleichzeitiger Verschlechterung der Mobilitätssituation der Fahrgäste sowie Verteuerung. Statt wie versprochen 800 Millionen durch die Ausschreibung zu sparen, wird inzwischen von einem Volumen von 15 bis 20 Milliarden ausgegangen, geplant waren acht Milliarden. Die genauen Kosten sind nicht öffentlich.

Für Rückfragen: Carl Waßmuth,  carl.wassmuth@bahn-fuer-alle.de

 

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Da Bündnis Bahn für Alle setzt sich für eine gemeinnützige Bahn in öffentlichem Eigentum ein. Eine Bahn, die allen Menschen gehört und für alle da ist, Rückgrat einer sozialen und ökologischen Verkehrswende. Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen und Positionspapieren, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Publikationen, Kongressen, Stellungnahmen, Redebeiträgen und anderen Aktivitäten bringen wir uns in verkehrspolitische Debatten ein.

Das Aktionsbündnis EINE S-Bahn für ALLE gründete sich am 18.12.2019, im Bündnis sind Beschäftigte, sowie Aktivist:innen verschiedener sozialer und politischer Gruppierungen aktiv. Sie fordern: Keine Privatisierung und Zerschlagung der S-Bahn Berlin!