

Kommunalisiert endlich die S‑Bahn Berlin!
Selten erlebt man, dass Politiker Fehler offen eingestehen. Bei der von Bahn für Alle und EINE S-Bahn für ALLE im Juni 2026 veranstalteten Podiumsdiskussion zur S‑Bahn‑Ausschreibung war das so. Doch das ändert noch nichts, solange nicht Taten folgen. Die Berliner S‑Bahn ist eine der Hauptschlagadern des Berliner Verkehrs. Entscheidungen der Politik und Vorgaben des Mutterkonzerns brachten und bringen sie immer wieder in Gefahr. Daher gilt: Unterschreiben Sie jetzt unsere Petition, werden Sie S-Bahn-Retter:in!
Worin besteht das Problem?
Die Berliner S-Bahn befördert jährlich fast 500 Millionen Menschen auf einem Streckennetz von 345 Kilometern (Berlin und Brandenburg). Keine Stadt der Welt hat solch ein intelligentes System aus Kreuz und Ringbahn wie Berlin. Doch dieses kluge System ist immer wieder in Gefahr.
Im Jahr 2012 schrieb der Senat, bestehend aus einer Koalition aus SPD und CDU, den S-Bahn-Ring als erstes Teilnetz aus. Damals gab es erheblichen Widerstand. Der Widerstand veranlasste den Senat immerhin, die Ausschreibung so zu gestalten, dass außer der DB AG alle anderen Bieter aussteigen mussten. Der Betrieb inklusive der Anschaffung neuer Züge wurde wieder an die S-Bahn Berlin GmbH vergeben, so dass weiter alles in einer Hand lag. Allerdings war die Sollbruchstelle gelegt – denn der S-Bahn-Ring ist nur ein Teil des Gesamtnetzes! Weitere Ausschreibungen liegen in der Logik des Verfahrens von 2012.
Am 17. Juni 2020 schrieb der zu diesem Zeitpunkt rot-rot-grüne Senat die Nord-Süd-Strecke und die Stadtbahn, die Berlin in Ost-West-Richtung quert, aus (Link zur Ausschreibung). Ziel vor allem der grünen Senatorin Regine Günther war es, durch mehr Wettbewerb Geld zu sparen. Die Ausschreibung enthielt verschiedene Lose, es drohten Zersplitterung und Privatisierung. Dagegen setzte sich das Aktionsbündnis EINE S-Bahn für ALLE zur wehr.
Auch wenn die CDU vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus 2023 die Ausschreibung kritisiert hatte, setzte sie gemeinsam mit der SPD die Ausschreibung fort. Nach mehr als sechs Jahren endete im Juli 2026 die Ausschreibung mit der Unterzeichnung der Verträge. Mehr als zwanzig Mal gab es Verzögerungen im Verfahren. Den Zuschlag erhielt ein Konsortium aus S-Bahn Berlin GmbH, Siemens und Stadler. Fazit der Ausschreibung: Es entsteht eine Teilprivatisierung im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft, neue Fahrzeuge werden Jahre später geliefert, Engpässe drohen nicht nur, sondern Einschränkungen des Fahrbetriebs wird es bereits ab dem Fahrplan Dezember 2026 geben. Das Vertragsvolumen hat sich von acht Milliarden Euro auf mindestens 15 Milliarden Euro erhöht. Schlecht für Steuerzahler:innen und Fahrgäste. Beschäftigte der Instandhaltung der S-Bahn Berlin GmbH werden in ein neues Unternehmen aus S-Bahn Berlin GmbH, Siemens und Stadler wechseln müssen, neue Tarifverträge müssen erst noch verhandelt werden.
Wir fordern:
- Die S‑Bahn muss kommunalisiert werden!
- Infrastruktur und Betrieb gehören zusammen!
- Menschen vor Profite!
Machen Sie mit!
Unterstützen Sie unser Anliegen: Unterschreiben Sie online oder analog unseren Aufruf „Kommunalisiert endlich die S-Bahn Berlin!“. Sammeln Sie weitere Unterschriften, und fördern Sie die Arbeit des Bündnisses mit einer Spende (Kennwort: „Bahn für Alle/S-Bahn“).
Schreiben Sie Mails an die Berliner Verkehrssenatorin Ute Bonde, an die Verkehrspolitiker:innen der verschiedenen Parteien und an den Petitionsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses.
Material

WirhabenWirha Wir haben folgende Materialien entwickelt. Sie können heruntergeladen werden oder unter info@bahn-fuer-alle.de kostenlos bestellt werden beziehungsweise im Büro von Gemeingut in BürgerInnenhand nach vorheriger telefonischer Rücksprache abgeholt werden (Telefon: 030/373 00 442, Weidenweg 37, 10249 Berlin) – solange der Vorrat reicht.
Sonderzeitung „Berliner S-Bahn. Gemeingut statt Goldesel“
- 4-seitige Zeitung als Printfassung zum Verteilen, erschienen im August 2026, bestellbar unter info@bahn-fuer-alle.de mit dem Betreff „Zeitung S-Bahn 2026 bestellen“
Unterschriftenliste „Kommunalisiert endlich die S-Bahn Berlin!“
- Unterschriftenliste DIN A4 / doppelseitig zum Download, bei größeren Mengen auch bestellbar unter info@bahn-fuer-alle.de
Bierdeckel „Eine Zukunftsbahn für alle“
- Doppelseitig bedruckter Bierdeckel: vorn Motiv zum Forderungspapier „Eine Zukunftsbahn für Alle“ (mit QR-Code und Link zu den 70 Forderungen); Rückseite: Vorschlag von Bahn für Alle für ein neues, einfaches Ticket-Preissystem. Das von Bahn für Alle vorgeschlagene KlimaTicket zum Preis von 50 Euro monatlich (Sozialpreis 25 Euro/Monat) soll das Deutschlandticket ersetzen und ist daher auch für die S-Bahn und den gesamten öffentlichen Personennahverkehr interessant. Die Bierdeckel im Format 93 x 93 mm können kostenlos bestellt werden unter info@bahn-fuer-alle.de.
Aktionsbündnis
Aktive vom Bündnis Bahn für Alle verhinderten nicht nur den einst geplanten Börsengang der Deutschen Bahn. Sie engagierten sich auch für die Berliner S‑Bahn und gründeten 2012 den Berliner S‑Bahn‑Tisch. Seither blieb Bahn für Alle hartnäckig am Thema dran. Als sich im Herbst 2019 die möglichen Folgen der geplanten Ausschreibung der beiden Teilnetze Stadtbahn und Nord-Süd-Bahn abzeichneten, machte das Bündnis in einer Pressekonferenz darauf aufmerksam. Infolgedessen riefen die Students for Future noch 2019 zu einer Demonstration vor der Tür der Verkehrssenatorin Regine Günther (Bündnis 90/Die Grünen) auf. Daraus gründete sich das Aktionsbündis EINE S-Bahn für ALLE, am 7. Februar 2020 fand das erste Vernetzungstreffen statt. Zahllose Freitagabende diskutierten die Aktiven. Und organisierten Demos vor Parteitagen, vor dem Roten Rathaus, am 1. Mai. Sie beauftragten bei einem Anwalt ein juristisches Gutachten, wie man ganz konkret die S‑Bahn kommunalisieren kann. Die Bündnismitstreiter produzierten sogar einen Film und übergaben ihn an die Politik, veröffentlichten eine Zeitung, verteilten Flyer, Anhänger, Aufkleber, diskutierten an Infotischen, schrieben offene Briefe. Vor den Abgeordnetenhauswahlen 2021 und 2023 erhielten Verkehrspolitiker eine Mailflut, nach der Wahlwurde ausgewertet. Mal sehen, wie es weitergeht. Aufgeben ist keine Option für Bahn für Alle.
Wer sich aktuell aktiv in die Arbeit einbringen will, kommt einfach zu den monatlichen Treffen von Bahn für Alle. Das Datum des nächsten Treffens ist der Terminliste zu entnehmen.
Informationen zum Aktionsbündnis, seinen Forderungen und Aktivitäten gibt es auf dessen Website https://www.eine-s-bahn-fuer-alle.de/.
Bahn für Alle gehört zu den GründerInnen/ErstunterzeichnerInnen des Aktionsbündnisses.
Pressemitteilungen (Auswahl)
- Pressemitteilung vom 16.07.2026: S-Bahn Berlin: Privatisierung beenden, künftige Kommunalisierung planen
- Pressemitteilung vom 10.09.2025: Berliner S-Bahn-Ausschreibung vorm juristischen Prellbock
- Pressemitteilung vom 30.08.2025: S-Bahn Berlin: Vergabe vor der Bieter-Klage aufheben
- Pressemitteilung vom 28.02.2024: S-Bahn Berlin: Kommunalisierung statt fauler Kompromiss
- Pressemitteilung vom 23.02.2024: Gericht: S-Bahn-Privatisierung verzögert und verteuert alles
- Pressemitteilung vom 29.01.2024: Kostenexplosion bei S-Bahn: Bündnisse fordern sofortigen Stopp der Ausschreibung
- Pressemitteilung vom 10.03.2024: Brief an CDU und SPD Berlin: S-Bahn retten!
- Pressemitteilung vom 04.04.2023: Einheitliche S-Bahn bedeutet, die Ausschreibung abzubrechen
- Pressemitteilung vom 16.01.2023: Über 10.000 fordern von Bettina Jarasch: S-Bahn-Ausschreibung stoppen
- Pressemitteilung vom 03.12.2021: Kommunalisierung der S-Bahn gibt es nur mit Abbruch der Ausschreibung
- Pressemitteilung vom 02.11.2021: Schluss mit dem Privatisierungsroulette. S-Bahn-Ausschreibung stoppen und S-Bahn neu denken
- Pressemitteilung vom 22.06.2021: S-Bahn Berlin: Vergabe-Roulette jetzt beenden
- Pressemitteilung zur Aktion vom 28.01.2021: Wir bewerben uns: Die S-Bahn uns Berliner*innen
- Pressemitteilung vom 05.08.2020: „Sie nennen es „Ausschreibung“, dabei ist es die Privatisierung des S-Bahn-Betriebs und der Wageninstandhaltung“
- Pressemitteilung vom 21.07.2020: „Veröffentlichung der Berliner S-Bahn-Ausschreibung: Der Kampf hat gerade erst begonnen!“
- Pressemitteilung des Aktionsbündnisses Eine S-Bahn für Alle vom 17. Juni 2020: „Für den sofortigen Abbruch der Ausschreibung und Neuverhandlugen mit der DB über die Zukunft der Berliner S-Bahn!“
- Pressemitteilung vom 23.03.2020: „Demokratie nicht aussperren! Strittige S-Bahn-Ausschreibung aussetzen.“
Newsletter (Auswahl)
- Newsletter vom 28.05.2026: Den Ausschreibungswahnsinn überwinden
- Aktionsmail vom 13.02.2023: Update zur Aktionsmail: Hilfe für die Berliner S-Bahn
- Newsletter vom 26. 01.2023: Hilfe für die Berliner S-Bahn
- Newsletter vom 09.02.2021: S-Bahn-Privatisierung: Wir protestieren, der Senat schafft eine Briefkastenfirma
- Newsletter vom 23.11.2020: Neue Mitmachangebote
- Newsletter vom 27.10.2020: Viele Mitmachangebote
- Newsletter vom 22.09.2020: „Die nächsten Aktionen“
- Newsletter vom 05.08.2020: Newsletter EINE S-Bahn für ALLE: Die Ausschreibung ist raus …
Unterschreiben
Kommunalisiert endlich die S‑Bahn Berlin !
An die Berliner Parteien
Eine katastrophale Ausschreibung, sechs Jahre Hängepartie, und im Ergebnis ist die S-Bahn teilprivatisiert. Während der DB-Vorstand mit Siemens und Stadler feiert, haben Fahrgäste und Klimaschutz das Nachsehen. Die dringend benötigten neuen S-Bahn-Wagen kommen Jahre später als vorgesehen. Die Kosten steigen zu Lasten von Steuerzahlern und S‑Bahn‑Kunden von acht Milliarden auf mindestens 15 Milliarden Euro. Die Zukunft der S-Bahn-Beschäftigten in der Instandhaltung ist ungewiss. Bei all dem sollte die S‑Bahn doch Berlin und Brandenburg nützen. Deswegen fordern wir Sie auf: Holen Sie die S-Bahn in die öffentliche Hand!
Die S‑Bahn ist leistungsfähig und für Berlin und Brandenburg systemrelevant: Fast 500 Millionen Fahrgäste nutzen sie jährlich. Aus der S-Bahn-Krise 2009/2010 wurden richtige Schlüsse gezogen: die Instandhaltung wieder verbessert, Werkstattkapazitäten wieder erweitert, Personal aufgebaut. Aber der entscheidende Schritt erfolgte bisher nicht: die Kommunalisierung. Stattdessen zerschlugen SPD und CDU die S‑Bahn in drei Teilnetze – unter dem Vorwand, so würde Wettbewerb entstehen. Dieser Ansatz rächt sich schon jetzt. Betriebliche Störungen beeinträchtigen den S‑Bahn‑Alltag immer mehr. Die Teilprivatisierung führt dazu, dass die S-Bahn endgültig zur Cashcow wird, zum Goldesel. Als Ergebnis der Ausschreibung versuchen drei Akteure – die Deutsche Bahn AG als Eigentümerin der Berliner S‑Bahn GmbH, und die Konzerne Siemens und Stadler – mit der Berliner S-Bahn möglichst große Gewinne zu machen. Ihre Schlagworte lauten „mehr Effizienz“ und „Instandhaltungsoptimierung“. Die Gewinne fließen ab; die S-Bahn und ihr Angebot werden geschwächt. Schon unter Hartmut Mehdorn wurde bei der Berliner S‑Bahn gespart, damit der Rubel für den geplanten DB‑Börsengang rollte, bis plötzlich die meisten Wagen standen.
Damit muss Schluss sein!
Wir fordern:
- Die S‑Bahn muss kommunalisiert werden!
Berlin kann die Mehrheit der Anteile an der S‑Bahn Berlin GmbH erwerben, dann werden weitere Ausschreibungen unnötig. Ziel sollte es sein, vor der nächsten Ausschreibung der Ringbahn im Jahr 2036 einen bestimmenden Einfluss für die öffentliche Hand zu erreichen. Mit Siemens und Stadler kann verhandelt werden, wie die Teilprivatisierung weit vor Ablauf der dreißig Jahre aufgehoben wird. Beim Berliner Wasser hat das auch geklappt! - Infrastruktur und Betrieb gehören zusammen!
Auch das Schienennetz und die Bahnhöfe der S‑Bahn sollten Berlin gehören. Sie gehören derzeit der InfraGO, die als DB‑Tochter viel Geld verlangt, aber zu wenig macht. Ein großer Teil der Störungen geht auf das Konto von InfraGO. Wenn Netz und Betrieb der S‑Bahn gemeinsam geführt werden, läuft das Zusammenspiel reibungslos. Ziel ist eine einheitliche, integrierte S‑Bahn, die Infrastruktur, Betrieb und Fahrzeuge inklusive Wartung unter einem Dach vereinigt. - Menschen vor Profite!
Die S-Bahn als Betrieb der öffentlichen Daseinsvorsorge ist dem Gemeinwohl verpflichtet und darf nicht gewinnorientiert sein. Die Fahrgäste, das Angebot und seine Ausweitung sowie gute Sozialstandards für alle Beschäftigten müssen im Mittelpunkt stehen.
Die S‑Bahn ist unsere Bahn, ist eine Berliner Bahn! Kommunalisierung jetzt!
Um zu unterschreiben, füllen Sie bitte folgende Felder aus!
Die Unterschriftenverarbeitung erfordert einen Moment Geduld, nach erfolgreicher Unterschrift erscheint ein grüner Kasten mit dem Vermerk: „Vielen Dank! Ihre Unterschrift wurde eingereicht.“


Unterschreiben Sie unseren Aufruf! Und sammeln Sie Unterschriften im Freundes- und Kolleg*innenkreis. Sie können direkt auf dieser Seite online oder analog unterschreiben.
Unterschriftenlisten gibt es
- Hier zum Download.
- Zum Bestellen unter info@bahn-fuer-alle.de
- Nach vorheriger Absprache zur Abholung im Büro von Gemeingut in BürgerInnenhand (Telefon: 030/373 00 442, Weidenweg 37, 10249 Berlin).
Mehr wissen: Hintergrund-Informationen
Sie ist einmalig und intelligent: die Berliner S-Bahn mit ihrem System aus Kreuz und Ringbahn. Sie befördert jährlich 482 Millionen Menschen, pro Werktag je 1,4 Millionen und verbindet mit ihrem 345 Kilometer langen Streckennetz die Innenstadt mit den Randbezirken bis weit hinein ins benachbarte Bundesland Brandenburg [1]. Ideale Voraussetzungen für einen klimaschonenden öffentlichen Personennahverkehr – noch. Dieses kluge System ist in Gefahr.
Bereits 2012 war der S-Bahn-Ring als erstes Teilnetz ausgeschrieben worden. Damals gab es erheblichen Widerstand des Berliner S-Bahn-Tisches, einem Zusammenschluss von Fahrgästen und Beschäftigten, der sich gemeinsam für eine einheitliche S-Bahn einsetzte. Der S-Bahn-Tisch startete ein Volksbegehren und hatte die erforderlichen Unterschriften schnell zusammen. Dann klagte der Senat vor dem Landesverfassungsgericht gegen das Volksbegehren und gewann. Begründung: Weil Berliner S-Bahnen zu zehn Prozent auch in Brandenburg fahren, kann Berlin (allein) keinen Volksentscheid dazu abhalten.
Der Widerstand veranlasste den Senat aber, die Ausschreibung so zu gestalten, dass außer der DB AG alle anderen Bieter aussteigen mussten. Der Betrieb inklusive der Anschaffung neuer Züge wurde wieder an die S-Bahn Berlin GmbH vergeben, so dass zunächst weiter alles in einer Hand lag. Allerdings war die Sollbruchstelle gelegt – denn der S-Bahn-Ring ist nur ein Teil des Gesamtnetzes!
Weitere Ausschreibungen liegen in der Logik des Verfahrens von 2012.
Und so erfolgte unter einer rot-rot-grünen Koalition am 17. Juni 2020 die Ausschreibung der Nord-Süd-Strecken (S1, S2, S25, S26) und der Stadtbahn (S3, S5, S7, S9, S75), die Berlin in Ost-West-Richtung durchquert. Vor allem die grüne Verkehrssenatorin Regine Günther wollte mit einer kleinteiligen Ausschreibung den Wettbewerb ankurbeln, die Qualität der S-Bahn verbessern und gleichzeitig Geld sparen. Die neue Ausschreibung musste ein Jahr vor Beginn angekündigt werden. Das passierte am 07. November 2018. Es lohnt sich, die Bekanntmachung zu lesen. Ein Zitat daraus zum Teillos 1 (Stadtbahn): „Betriebsaufnahmezeitpunkte: 21.9.2026: Mit Vorserienfahrzeugen sind fahrplanmäßige Leistungen im Bedienungsraum der nachfolgend benannten Linien zu erbringen. Genaue Festlegungen dazu enthalten die Vergabeunterlagen; […]".
Auch der spätere schwarz-rote Senat hielt an der Ausschreibung fest, obwohl die CDU die Ausschreibung vor der Abgeordnetenhauswahl 2023 deutlich kritisiert hatte. Aus gutem Grund, denn die Ausschreibung war risikoreich: Das Netz wurde in mehreren Teilen ausgeschrieben, und auch die Fahrzeuginstandhaltung war noch einmal davon getrennt im Angebot. Es konnte also passieren, dass künftig der Verkehr in den drei Teilnetzen von drei unterschiedlichen Eisenbahnverkehrsunternehmen betrieben wird und die Züge wiederum von anderen Unternehmen instand gehalten werden. Das Schienennetz wird von der DB InfraGO, einer Tochter der Deutschen Bahn AG, betrieben. Außerdem wollte das Land Berlin selbst neue S-Bahn-Wagen anschaffen, deren Wartung und Instandsetzung das Land für einen Zeitraum von 30 Jahren im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft (ÖPP) jedoch vergibt. ÖPP-Projekte bergen zahlreiche Risiken. Regelmäßig werden ihre finanziellen Auswirkungen von Rechnungshöfen kritisiert. Schon im Mai 2021 gründete das Land die Landesanstalt Schienenfahrzeuge Berlin (LSFB).
Unsere Kritik im Abgleich zur Entwicklung:
- Von Anfang an war klar, dass statt der von Verkehrssenatorin Regine Günther versprochenen Einsparung die Umsetzung zu einer erheblichen Verteuerung führt.
–>> Stand 2026: Statt von acht Milliarden wird aktuell von 15 Milliarden Auftragsvolumen gesprochen, am Ende kann es noch teurer werden. Auch 20 Milliarden Euro standen schon im Raum. Die Regierung befindet sich offenbar nicht auf dem Sparkurs. - Die komplizierte Ausschreibung wird zu Verzögerungen führen.
–>> Laut Presse gab es mehr als 20 Fristverschiebungen im Rahmen des Vergabeverfahrens. Die Auslieferung neuer S-Bahn-Züge wird sich um Jahre verschieben. Altes Zugmaterial muss länger als geplant eingesetzt werden, kann stör- und reparaturanfälliger werden, was wiederum höhere Kosten bewirkt. Schon mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026 treten daher Angebotskürzungungen in Kraft. Verstärkerzüge entfallen. - Die Ausschreibung von zwei Dritteln des S-Bahn-Netzes führt zur Zerschlagung der S-Bahn, ohne dass damit ein Gewinn an Kundenqualität, Wirtschaftlichkeit, Klimaschutz und somit für das Gemeinwohl zu erwarten ist. Personal, Züge et cetera können bei Engpässen nicht problemlos und ohne Verzögerungen zwischen den Betreibern der Teilnetze wechseln.
–>> Es ist nicht der schlimmste Fall eingetreten. Die S-Bahn Berlin GmbH, die das sogenannte Teilnetz Ring betreibt, ist zusammen mit Siemens und Stadler Teil des Konsortiums, an das die beiden anderen Teilnetze (Stadtbahn und Nord-Süd-Verbindungen) im Juli 2026 vergeben wurden. Allerdings bleibt es riskant, angesichts von Größe und Systemrelevanz des S-Bahn-Verkehrs in Berlin/Brandenburg, ein Vergabeverfahren zu initiieren, das einem Roulettespiel mit ungewissem Ausgang gleicht. Daher fordert Bahn für Alle die Kommunalisierung der S-Bahn Berlin. Trotz des Ergebnisses der Vergabe 2026 hat schon die bestehende Dreiteilung des Netzes schwerwiegende Folgen: Die neueste Zugflotte vom Typ 483/484 wurde im Rahmen des Verkehrsvertrags für das Teilnetz Ring beschafft. Sie ist vertraglich nur für diesen Bereich (Ringbahn sowie Linien wie S46, S47 und S8) vorgesehen. So können diese Züge nicht zur Lösung von Fahrzeugausfällen im Bereich Stadtbahn und Nord-Süd-Verbindungen eingesetzt werden, die aufgrund der verschleppten Ausschreibung bereits bestehen und sich vergrößern werden. Ob noch Wege gefunden werden können, ggf. über eine Notvergabe, weitere Fahrzeuge dieses Typs produzieren zu lassen, um größere Verkehrseinschränkungen in den beiden anderen Teilnetzen zu vermeiden, bleibt ungewiss und verdeutlicht, wie verrückt diese Dreiteilung des Netzes schon im Ansatz war und ist. - Die Berliner S-Bahn ist auf Jahre mit der Umstrukturierung befasst, statt sich um eine Weiterentwicklung und Ausweitung des Angebots zu kümmern. Absehbar entsteht ein erheblicher Mehrbedarf an Koordination. An den Schnittstellen droht Chaos zum Nachteil der Kund:innen.
–>>Da Beschaffung, Wartung und Instandhaltung der neuen S-Bahn-Wagen über die Landesanstalt Schienenfahrzeuge Berlin (LSFB) erfolgen sollen, ändert sich viel. Die LSFB dient als Hülle für eine öffentlich-private Partnerschaft mit einem oder sogar mehreren Unternehmen aus S-Bahn Berlin GmbH, Siemens und Stadler. Bisherige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden von der S-Bahn Berlin GmbH voraussichtlich Anfang der 2030er Jahre in eine neue GmbH wechseln müssen und gehören dann nach derzeitigem Kenntnisstand nicht mehr zur S-Bahn Berlin GmbH. Tarifverträge müssen neu verhandelt und erstritten werden. Bisherige S-Bahn-Instandhaltungswerke der S-Bahn werden teilweise den Besitzer wechseln. All das sind aufwendige Umstrukturierungsprozesse, die nicht zuletzt viel Geld kosten, Steuergeld, das in keiner Weise für mehr und besseren S-Bahn-Verkehr ausgegeben wird, sondern nur allein für Umstrukturierung. - Die Vergabe öffentlicher Verkehrsleistungen an Privatunternehmen birgt Risiken, zum Beispiel indem diese Unternehmen nicht genügend Personal oder Zugmaterial zur Verfügung stellen oder sich finanziell verkalkulieren. Die Qualität des Betriebs kann gravierend leiden, nicht zuletzt aufgrund der Gewinnorientierung. Dann fallen Bahnen aus, oder ganze Linien werden zeitweise nicht bedient. Insolvenzen sind nicht auszuschließen.
Es ist absehbar, dass komplizierte Vertragswerke notwendig sein werden, welche die unterschiedlichen Interessen austarieren sollen. Diese Vertragswerke kosten Zeit, Geld und sind in der Regel intransparent beziehungsweise werden aus Wettbewerbsgründen u. ä. nicht öffentlich gemacht. Es sind Fälle bekannt, in denen Rechnungshöfe moniert haben, dass der öffentlichen Hand Gelder verloren gingen, weil sie die umfangreichen und unübersichtlichen ÖPP-Verträge nicht ausreichend kannten und daher ihre Rechte nicht ausschöpften.
–>> Während der Betrieb für 15 Jahre vergeben wurde, werden Wartung und Instandhaltung der neuen Wagen für 30 Jahre vergeben. Beschaffung, Wartung und Instandhaltung laufen für die Teilnetze Stadtbahn und Nord-Süd-Netz künftig über die Landesanstalt Schienenfahrzeuge Berlin, und zwar mittels öffentlich-privater Partnerschaft. Betrieb und Fahrzeugpark bilden künftig keine Einheit mehr. Aktuell sind S-Bahn-Züge zum Teil über 40 Jahre im Einsatz und reißen raus, was durch verschleppte Ausschreibungen immer mehr im Argen liegt. In Zukunft gibt das Konsortium nach 30 Jahren Instandhaltung die Schlüssel ab. Zudem darf man sich die Frage stellen, inwieweit Hersteller ein Interesse daran haben können, die Lebenszeit ihrer Produkte aufwendig zu verlängern, statt neue zu verkaufen. - Temporäre Betreiberfirmen haben grundsätzlich kein langfristiges Interesse am Erhalt der Infrastrukturen und der Weiterentwicklung des Gesamtsystems. Es droht ein Abwirtschaften bestehender Strukturen statt Erhalt und Ausbau.
- Es werden teure Doppelstrukturen geschaffen – und mit Steuergeld bezahlt.
–>> Folge der jüngsten Ausschreibung ist zum Beispiel die Errichtung einer neuen S-Bahn-Werkstatt in Fredersdorf – auf Kosten des Landes Berlin.
Aus den schlechten Erfahrungen anderer Bundesländer lernen!
Bei anderen Vergaben von Nahverkehrsleistungen im Schienenbereich an private Eisenbahnverkehrsunternehmen kam es nnerhalb der letzten Jahre wiederholt zu erheblichen Problemen:
- Sowohl im Netz von Sachsen-Anhalt (Abellio) als auch im Nahverkehr in Baden-Württemberg (Go-Ahead, National Express, Abellio) kam es vielfach zu Zugausfällen aufgrund fehlenden Personals (insbesondere Lokführern) und technischer Probleme. Abellio musste Insolvenz anmelden, was in allen Fällen zu Mehrkosten führte. Zum Teil wurden die Verkehre in Notausschreibungen neu vergeben.
- Die Städtebahn Sachsen ging im Juli 2019 in die Insolvenz, wodurch mehrere Regionalbahnlinien über Wochen nicht mehr betrieben wurden.
- Bei der S-Bahn Rhein-Ruhr musste die Vergabe für den Betrieb von zwei S-Bahn-Linien an das Unternehmen Keolis im September 2019 – nur zweieinhalb Monate vor Betriebsübernahme – wieder zurückgezogen werden, weil das Unternehmen nicht genug Personal einstellte. Die dadurch erforderliche Notvergabe an die DB AG war nur mit Glück in der Kürze der Zeit möglich, verursacht nun aber Zusatzkosten. Allein diese Beispiele und die inzwischen mit der Ausschreibung von 2020 gemachten Erfahrungen sollten ausreichen, um in Berlin/Brandenburg die S-Bahn neu zu denken.
Es gibt Alternativen, man muss sie nur wollen!
Eine der Alternativen besteht darin, ein landeseigenes S-Bahn-Unternehmen zu haben, an das der Betrieb ohne Ausschreibung direkt vergeben werden dürfte. Der Weg zu einem solchen Unternehmen kann unterschiedlich sein, zum Beispiel indem Berlin und Brandenburg es gründen, ein bestehendes nutzen (BVG) oder die Mehrheit an der S-Bahn Berlin GmbH erwerben.
Außerdem könnte das Land Berlin gemeinsam mit ebenfalls betroffenen Ländern wie Brandenburg oder Hamburg im Bundesrat eine Veränderung des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) anschieben. Ziel müsste es sein, das GWB an das EU-Recht anzupassen, das in Art. 5 der EU-Verordnung 1370/2007 [2] anders als das deutsche Gesetz eine Direktvergabe in „Spezialnetzen" vorsieht. Die Berliner S-Bahn ist ein solches Spezialnetz, denn sie nutzt ein eigenes Strom- und Zugsicherungssystem und kann daher ausschließlich innerhalb dieses Netzes verkehren. Das Argument, dass eine derartige Umgestaltung der Gesetzgebung zu lange dauert, zieht nicht.
In unser Zeitung „Berliner S-Bahn. Gemeingut statt Goldesel" vom August 2026 beschreibt Carl Waßmuth in seinem Artikel „Wie kommunalisiert man eine S-Bahn?" den möglichen Weg zur Kommunalisierung der S-Bahn Berlin. Der Beitrag enthält auch einen „Fahrplan" mit einzelnen Schritten und Jahreszahlen. Die Zeitung kann kostenlos bei Bahn für Alle unter info@bahn-fuer-alle.de bestellt werden.
Quellen:
- Stand: 15.06.2026, Quelle: https://sbahn.berlin/das-unternehmen/unternehmensprofil/auf-einen-blick-zahlen-und-fakten/
- Siehe: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32007R1370&from=DE
Weiterlesen
- Am 21. November 2019 haben wir vom Bündnis Bahn für Alle zusammen mit Gemeingut in BürgerInnenhand eine Pressekonferenz durchgeführt. Hier und in einer Pressemitteilung wiesen wir auf die Gefahren der Privatisierung und Zerschlagung der S-Bahn Berlin durch die geplante Ausschreibung hin.
- Artikel „Das ist schon einmal schief gegangen. Der Berliner S-Bahn drohen Zerschlagung und Privatisierung" von Bernhard Knierim, erschienen in der Sozialistischen Zeitung 01/2020.
- Beitrag von RA Benedikt Hopmann: „S-Bahn-Ausschreibung: Folgen für die Arbeitskräfte"
- Artikel „Wie der Berliner Senat die Zerschlagung der S-Bahn vorantreibt" von Ludwig Lindner, zuerst erschienen in der Zeitung neuköllnisch, der Bezirkszeitung der LINKEN.Neukölln.
- Artikel „Zerschlagung und Privatisierung der S-Bahn" von Carl Waßmuth, zuerst erschienen in Ossietzky — Zweiwochenschrift für Politik | Kultur | Wirtschaft, Nr. 23/2019 vom 30. November 2019.
- Wissenschaftlicher Dienst des Deutschen Bundestages: „Sachstand zu den Vergabemöglichkeiten im Schienenpersonennahverkehr", Aktenzeichen: WD 7 -3000 –023/19, 14.02.2019, Berlin.
- Artikel von Carl Waßmuth: „S-Bahn Berlin: Privatisierung mit einer Anstalt des öffentlichen Rechts", 11.01.2021
- Kapitel 8 des Alternativen Geschäftsberichts der Deutschen Bahn 2020/21 von Bahn für Alle „Mit Hochgeschwindigkeit ins Finanzloch". Das Kapitel 8 trägt den Titel „Die Privatisierung der S–Bahn in Berlin" und wurde von Carl Waßmuth verfasst. Der Bericht erschien am 24. März 2021.
- Juristisches Positionspapier von RA Benno Reinhardt zu den Möglichkeiten und Folgen eines Ausstiegs aus der aktuellen S-Bahn-Ausschreibung, erschienen am 21. Juni 2021.
- Jetzt bestellen: Zeitung gegen S-Bahn-Privatisierung. Die am 22. Juni 2021 erschienene Zeitung steht zum kostenlossen Download bereit. Gedruckte Zeitungen können kostenlos bestellt werden unter info@bahn-fuer-alle.de.
- S-Bahn-Film an Landesvorsitzende der Berliner Linken übergeben, 20. Oktober 2021.
- Berliner S-Bahn retten! Ausschreibung abbrechen, Kommunalisierung einleiten! Offener Brief an die verhandelnden Parteien in den aktuellen Koalitionsverhandlungen vom 29. Oktober 2021.
- Kommunalisierung der S-Bahn gibt es nur mit Abbruch der Ausschreibung – alles andere ist Täuschung! Statement von EINE S-Bahn für ALLE zum Berliner Koalitionsvertrag, 3. Dezember 2021
Weitersehen
- Videoclip: „Nein zur Privatisierung und Zerschlagung der Berliner S-Bahn!"
- Videoclip: „Warum ich mich gegen die S-Bahn-Ausschreibung engagiere – S-Bahner Janek Neuendorf"
- Videoclip: „Warum ich mich gegen die S-Bahn-Ausschreibung engagiere – Arbeitsrechtsanwalt Benedikt Hopmann"
- Videoclip: „Warum ich mich gegen die S-Bahn-Ausschreibung engagiere – Aktivisten Erik und Elias"
Der Film zur S-Bahn
Der Film „EINE S-BAHN FÜR ALLE" stellt die aktuellen Kämpfe um die Berliner S-Bahn vor. Hier gibt es weitere Informationen und den Link zum Film. https://bahn-fuer-alle.de/modul-1-des-klimabahn-films-erschienen-eine-s-bahn-fuer-alle/
Ein paar „historische Aktionsmaterialien" zum Ansehen
- Sonderzeitung „S-Bahn-Roulette. Privatisierung jetzt stoppen", 4-seitige Zeitung von EINE S-Bahn für ALLE aus dem Jahr 2021 zum Download
- Flyer »Eine S-Bahn für Alle« Flyer DIN A5 / doppelseitig zum Download
- Poster »Hier unterschreiben« Poster DIN A4 / einseitig zum Download
- Poster »Schützt unsere S-Bahn« Poster DIN A2 / einseitig zum Download
- Aufkleber »Schützt unsere S-Bahn« Aufkleber DIN A7 / einseitig zum Download
- Flyer für Kollegen der S-Bahn Flyer DIN A4, gefaltet auf DIN A5
- Türanhänger Flyer 100 × 280, doppelseitig
Termine
Treffen von Bahn für Alle finden in der Regel am letzten Montag im Monat in Berlin statt. Ob und wo Treffen oder andere Aktionen (Proteste, Unterschriftensammlungen et cetera) stattfinden beziehungsweise welche weiteren Aktivitäten geplant sind, ist der Terminliste zu entnehmen. Bitte kurz voranmelden unter info@bahn-fuer-alle.de.
Jetzt spenden!
Die Verhinderung der S-Bahn-Zerschlagung und -Privatisierung benötigt Ihre Unterstützung! Das Bündnis Bahn für Alle unterstützt den Widerstand der S-Bahn-Aktiven vor allem auch finanziell. Gedruckte Materialien, Raummieten, Transparente, … – das alles kostet Geld. Helfen Sie bitte auch mit einer Spende. Wichtig: Kennwort „Bahn für Alle/S-Bahn-Arbeit“