Rundbrief Ausgabe 74 // 5. August 2026

Bahnfahren in Zeiten von Energiekrisen

Liebe Freundinnen und Freunde einer Bahn für alle,

Sommerzeit ist Reisezeit. Viele fahren in die Welt hinaus und besuchen Menschen, erholen sich in den Bergen oder am Meer, erleben Abenteuer. Aber die Welt kommt auf verschiedene Weise auch zu uns. Kriege werden nicht nur in den Nachrichten gezeigt, sie treiben auch die Spritpreise in die Höhe. Es zeigt sich: Die Bahn ist nicht nur ökologischer als Autofahren, sie ist auch von Energiekrisen weniger betroffen. Also Bahnfahren für weniger Klimaerhitzung und für die Schonung des Geldbeutels? So einfach könnte es sein. Aber die Welt verlangt von Deutschland in Form eines europäischen Gerichtsurteils indirekt die Verteuerung der Trassenpreise im Regionalverkehr. Schon droht, dass Verbindungen gestrichen werden – diese Entwicklung könnte angesichts von Klima- und Energiekrise kaum absurder sein.

Diesen Donnerstag kommen deswegen die Verkehrsministerinnen und -minister zu einer Sonderkonferenz zusammen. Ihr aktueller Handlungsrahmen ist allerdings klein – weil die Deutsche Bahn (DB) nicht gemeinnützig ist, dürfen sie die Trassenpreise nicht weiter begrenzen. Die DB muss (!) eine Kapitalrendite verlangen. Kann sein, dass die Ministerrunde vor diesem Hintergrund den Preis für das Deutschlandticket erhöht.

Wir sagen: Das ist der falsche Weg. Wir brauchen keine Symbolpolitik mit Tankrabatt, sondern günstigen und zuverlässigen Bahnverkehr in der Fläche. Benötigt wird ein großer Wurf. Wir empfehlen nicht nur dringend, die Bahn gemeinnützig zu machen, auch die Fahrpreise müssen grundlegend reformiert werden. Wir haben dazu einen Vorschlag, der – damit ihn auch Friedrich Merz versteht – genau auf einen Bierdeckel passt. Das Deutschlandticket, das bei uns KlimaTicket heißt, sollte danach 50 Euro pro Monat kosten und als Sozialticket 25 Euro pro Monat. Unseren Bierdeckel haben wir drucken lassen, Sie können ihn bei uns kostenlos auch in größeren Mengen zum Verteilen bestellen. Einfach eine Mail an info@bahn-fuer-alle.de mit dem Kennwort „Bierdeckel“ und der gewünschter Menge und Ihrer Anschrift senden.

Angeblich auch „wegen Europa“ wurden Betrieb sowie Fahrzeugherstellung und
-instandhaltung für zwei Teilnetze des Berliner S-Bahn-Verkehrs ausgeschrieben. Die Unterschriften unter die Verträge erfolgten nach einer jahrelangen Hängepartie, die den Wahnsinn des angeblichen Wettbewerbs im Nahverkehr plastisch macht. Fahrgäste und Klimaschutz, aber auch die Beschäftigten in der Instandhaltung haben jetzt das Nachsehen. Die dringend benötigten neuen S‑Bahn-Wagen kommen Jahre später als vorgesehen. Die Kosten steigen – nicht zuletzt durch die Teilprivatisierung – zu Lasten von Steuerzahlern und S‑Bahn-Kunden von acht Milliarden auf mindestens 15 Milliarden Euro. Wir haben dazu am 9. Juni eine Podiumsdiskussion mit Verkehrspolitikern und Verkehrsexperten durchgeführt. Jetzt geben wir zu der Thematik eine vierseitige Zeitung heraus. Unterstützen Sie die Herausgabe mit einer Spende, und bestellen Sie schon jetzt Zeitungsexemplare zum Verteilen unter info@bahn-fuer-alle.de, Kennwort „S-Bahn-Zeitung“.

Herzlich grüßen
für das Bündnis Bahn für Alle

Carl Waßmuth   |   Katrin Kusche

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INFOBOX/PRESSESCHAU (Auswahl)

Unsere Pressemitteilungen seit dem letzten Rundbrief:

05.08.2026 | "Verkehrsministerkonferenz: Bahn für Alle liefert Tischvorlage": Zur Verkehrsminister-Sonderkonferenz hat Bahn für Alle einen Vorschlag erarbeitet, wie die Bahn angesichts von Klima- und Energiekrise ihre Vorteile voll entfalten kann.

16.07.2026 | „S-Bahn Berlin: Privatisierung beenden, künftige Kommunalisierung planen. Parteien müssen neues S-Bahn-Chaos verhindern“: Die Bündnisse Bahn für Alle und EINE S-Bahn für ALLE fordern die Parteien vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus auf, sich öffentlich für eine Kommunalisierung der Berliner S-Bahn auszusprechen.

Presse-/Medienreaktionen auf Bahn für Alle

31.07.2026 | junge Welt: „Verkehrspolitik. Profitabler Sanierungsfall“: Im Beitrag begrüßt Carl Waßmuth, Sprecher beim Bündnis Bahn für Alle, „dass mehr Menschen mit der Bahn fahren, ein Plus von 1,8 Prozent kann aber nur ein Anfang sein“. Um mehr Menschen für die Bahn zu begeistern, fordert er „günstige Fahrpreise, endlich mehr Züge und Beschäftigte und eine gemeinnützige Bahn“.‘

17.07.2026 | taz: „Vertragsvergabe für die Berliner S-Bahn. Das S-Bahn-Märchen 2032": Claudius Prößer geht in seinem Beitrag ausführlich auf die Kritik von Bahn für Alle am Vergabeverfahren für zwei Teilnetze der S-Bahn Berlin ein.

11.07.2026 | MOZ: „S-Bahn in Berlin: Ohne Klimaanlage - Fahrgäste werden noch Jahre schwitzen“: Maria Neuendorff schreibt in ihrem Artikel: „'Das vorhandene Wagenmaterial der S-Bahn reicht nicht aus, um die Verzögerungen zu kompensieren', warnt deshalb das Bündnis 'Eine S-Bahn für alle'. Schon im vergangenen Jahr habe es insgesamt 34.414 gemeldete Störungen im Berliner S-Bahn-Verkehr gegeben.“

08.07.2026 | junge Welt: „Verkehrswesen als Daseinsfürsorge. Sollte die DB eine staatliche Angelegenheit sein?“: Interview von Luca von Ludwig mit Carl Waßmuth. Hier ein Auszug: „Es wäre sicherlich am einfachsten, wenn man Frau Palla von der Verpflichtung entbinden würde, Gewinne maximieren zu müssen. […] Wir sagen: Die Bahn muss gemeinnützig werden. Dann hätte Palla auch eine viel bessere Verhandlungsposition gegen die Bundesnetzagentur als Aufpassereinrichtung des Neoliberalismus, denn dann könnte sie sagen: Ich habe hier einen Versorgungsauftrag, den ich erfüllen muss. Gerade wird sie aber behandelt wie ein ausländischer Investor, mit dem sie im Wettbewerb gleichgestellt werden soll.“

08.07.2026 | Umwelt Panorama: „KI bei der Deutschen Bahn: Kiana soll Reisende künftig besser informieren“: Im Beitrag zum Vorhaben der Deutschen Bahn, die Kundenkommunikation zu verbessern, wird auch Bahn für Alle zitiert: „Das Bündnis […] bezeichnete das Sofortprogramm ["Bessere Kundenkommunikation"] als überfällig. […] Verlässliche und konkrete Informationen könnten Fahrgästen das Reisen […] deutlich erleichtern.“ Dabei betonte Carl Waßmuth, dass es nicht nur um digitale Angebote gehen darf: „Nötig sei aber auch mehr Personal – ‚Menschen, die Fragen beantworten können, die auch mal beim Gepäck mit anfassen und im Fahrradabteil helfen' […]."

14.06.2026 | nd-aktuell.de: „Berliner S-Bahn: Alstom-Rüge gegen Vergabe abgewiesen“: Nicolas Šustr beschreibt die aktuellen Entwicklungen bei der Ausschreibung der S-Bahn Berlin und berichtet ausführlich über die von Bahn für Alle und EINE S-Bahn für ALLE am 9. Juni veranstaltete Podiumsdiskussion  zum Thema „Quo vadis S-Bahn Berlin und Brandenburg?“.

12.06.2026 | Nachdenkseiten: In dem ausführlichen Beitrag „Italo-Western: Ein Rivale aus der Fremde fordert die Deutsche Bahn zum Duell“ geht der Autor auf verschiedene Probleme der Ausweitung des Wettbewerbs im Fernverkehr ein und zitiert dabei auch Bahn für Alle.

03.06.2026 | junge Welt: „Deutsche Bahn. Bahn sieht rot“: Auszug aus dem Artikel von Ralf Wurzbacher zu den Plänen des italienischen Zugunternehmens Italo: „'Ein weiterer gewinnfixierter Akteur werde die Zustände ‚verschlimmern‘, befand am Dienstag Verbandssprecher Carl Waßmuth im Gespräch mit junge Welt. Für ihn gehört guter Zugverkehr gemeinnützig organisiert und beginnt mit einem Fahrplan, der die ganze Fläche erschließt [...].“

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Trägerorganisation des Bündnisses Bahn für Alle ist das Mitglied Gemeingut in BürgerInnenhand (GiB) e.V. Spenden erreichen uns über folgendes Konto per Überweisung bzw. über das Onlineformular (unbedingt Kennwort angeben: Spende Bahn für Alle).

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